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Von Bastian Piejko (2018)

Was macht man als Maler_in, wenn alles geht und nichts zwingend ist? Wenn man das Malen liebt, den Duft der Farbe, das Glänzende Speckige des Leinöls und das Matte im Wachs? Und sich gleichzeitig fragt, „das Tafelbild als Konzept, kann man das noch machen?“ Denn was soll das eigentlich sein, ein Tafelbild? Erfüllte es vormals die Funktion eines Fensters zur Welt, eines Rahmens der Mimesis und des Gleichnis’ war es späterhin Ort der Manifestation eines freien Subjekts – radikale Innenschau im Strudel der Farben. Und nun? Jackson Pollock bei Ikea und Rembrandt als Fotoprint.

Auch abstrakte Malerei hat die Welt nicht neu erfunden. Schlieren, Spuren, Flächen so wie auch Ornamente und Muster dienen seit Jahrtausenden als Beweis individuellen Ausdrucks und zieren als Schmuckformen die Nutzformen wie Architektur, so wie das Ornat es dem Namen nach tun sollte: schmücken, statt kreieren.

Und dennoch: Wo man selbst diskursmüde geworden ist und kein neues Konzept des klassischen Tafelbildes in die Geschichte zu werfen vermag, ist es wohl umso mehr an der Zeit, sie einfach selbst sprechen zu lassen. Lea Schäfer nutzt das Dispositiv des Tafelbildes um letztlich immer wieder die Malerei mit sich selbst zu konfrontieren und ihr so etwas zu entlocken. Es sind dabei vor allem qualitative und formale Kontraste, die ihr jeweiliges Gegenüber zu Klingen bringen. Brüchige, fette Wachstifte mit schillerndem Perlmuttglanz ziehen ihre Bahnen auf matt-flächigem Acryl und lassen den Sprühnebel zu galaktischer Tiefe kommen. Lasurschichten schwimmen und wabern ineinander und werden jäh gebremst von abgeklebten Kanten und Schablonen, zugedeckt von der Unbarmherzigkeit der festen Form. Fast: denn schon schlängelt sich wieder der Pinselstrick mit saftiger Ölfarbe darüber und stellt klar: Keine Sorge, Freunde der Malerei.

Alle Fragen, die Lea Schäfer im Prozess des Malens aufwirft, wie: Nach wie vielen Wiederholungen der immer gleichen Geste, nach wie vielen geraden/ orthogonalen Linien beginnt das Raster eine Schmuckform zu werden, wann wir es zu Dekoration, beginnt sie sich als Zeichen selbst zu entleeren? – alle werden sie erst sinnvoll in ihrer Kombination, beantworten sich im wechselseitigen Ausruf. Alleine blieben diese Elemente Zitate malerischer Überhöhung oder grafisch dekorative Form, zusammen aber lassen sie sich sinnvoll werden. Der breite Pinsel wird erst durch die anonyme Fläche sichtbar und folgerichtig. Der Druck erst durch die pastose Spachtelei in seiner Qualität erkennbar.

Dabei ist mehr sicherlich nicht einfach nur mehr: ästhetische Verwirrung lotet nicht die Möglichkeiten zeitgenössischer Malerei aus. Es bedarf der feinen Spannung, des gezielten Einsatzes von Raster, Organischem, Pinselstrich und Fläche, um in der gesamten Komposition die Malerei zum Sprechen zu bringen: Von sich selbst, von ihren Grenzen und vor allem davon, was hinter diesen Grenzen liegt.